Volksbühne
am Rosa-Luxemburg-Platz
prick, prick, boom, Foto: Luna Zscharnt

prick, prick, boom

Bibiana Mendes, River Roux

dt./engl. Sprache | dt./engl. ÜT

März 1988, 22:30 Uhr, Nervenklinik der Charité in Ost-Berlin: Eine junge Frau hält eine Spritze an den Hals einer Krankenschwester. „Ich bin doch eine Frau, oder was meinen Sie?“, hatte sie an ihrem ersten Tag auf der Station gefragt. Jetzt stehen drei Polizisten und eine Chefärztin vor der Tür ihres Zimmers. Die Ärztin dokumentiert ihre Antwort nicht. Sie dokumentiert auch nicht, ob die junge Frau mit der Nadel Widerstand übt oder Rache, ob sie Vergeltung will, Chaos, oder die Antwort auf ihre Frage.

Rage ist unfreiwillig. Wer sie fühlt, kann von ihr verzehrt werden und jene verletzen, die sie nicht teilen. Rage ist Bruch, Begehren und Zeichen der Unvereinbarkeit von Realität und der eigenen Existenz. Wenn Rage uns verbindet, entsteht Bewegung. In prick, prick, boom beschwören vier Performer:innen Körper jenseits der Vernunft. Sie hören auf, auszuweichen, sich zu ducken, zu entschuldigen und erträumen sich Militanz und Wut ohne Konsequenz. Berlin ist historisch geprägt von der Kriminalisierung und Auslöschung queeren Lebens, von der Behinderung queerer Kollektivität. Dokumentationen des Ungehorsams finden sich in Archivkisten und Akten, zwischen den Zeilen in Entlassungsberichten, Festnahmeprotokollen und Zeitungsannoncen.

Lou Thabart, Paula Pau, Adrian Marie Blount und River Roux üben Entgleisung als Widerstand. Handtaschen werden zu Schlagwerkzeugen, High Heels zu Projektilen, Zöpfe zu Peitschen. Ruhig bleiben ist ausgeschlossen. Geduld kann sich keine mehr leisten. „Gebeten habe ich bereits, fordern kann ich nicht“, schrieb die junge Frau auf der Station. Was, wenn wir aufhören zu bitten?

Hinweis

Wir empfehlen ein Mindestalter von 18 Jahren für den Besuch der Aufführung.

Triggerwarnung

Bitte beachten Sie: prick, prick boom beinhaltet

den Gebrauch von Nadeln
selbstverletzende Handlungen
explizite Darstellung sexueller Handlungen
Stroboskoplicht

Ein herzliches Dankeschön an die Historiker:innen und Forscher:innen, die dieses Projekt unterstützt haben: Annalena Fuchs, Henriette Günther, Ulrike Klöppel, Xev Martens, Jona Diwiak und Karl-Heinz Steinle. Wir danken zudem dem Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité, dem Magnus-Hirschfeld-Archiv und dem Archiv des Schwulen Museums für ihre Unterstützung.

Besetzung

Besetzung

  • Adrian Marie Blount
  • Paula Pau
  • River Roux
  • Lou Thabart

Team

Bühne

  • Simeon Melchior

Dramaturgie

  • Lili Hering

Kostüme

  • Djuna Reiner

Konzept & Regie

  • Bibiana Mendes
  • River Roux

Musik

  • Adrian Marie Blount

Licht

  • Leroy Nikolas von Bergen

Video

  • Lena Leuschner
  • Tebbe Schöningh

Keine Aufführungen.